Im Jahr1949entstand die NATO (Nordatlantikvertrag)unter dem Phänomen der steigenden atomaren Bedrohung, die die UdSSR und ihre Verbündeten auf die freie westliche Welt ausübten.
Militärisch umfaßte die NATO ein Alliiertes Oberkommando(SHAPE) in Rocquencourtbei Versailles und drei regionale Kommandobehörden (RHQ) die untereinander durch verschiedene damals mögliche Fernmeldesysteme verbunden waren: Richtfunkstationen auf VHF-Basis, Telefonverbindungen über zivile Fernkabel- und Richtfunklinien und weitere Radionetzwerke. Alle technischen Mittel hatten jedoch Schwachstellen in punkto Zuverlässigkeit, Abhörsicherheit, Verschlüsselung der Daten und in der Übertragungsdauer. Die Schwachpunkte konnten durch die troposphärischen Prodiffusionstechniken weitgehend beseitigt werden, die in den 50er Jahren in den USA entwickelt worden waren und somit in die Installation des ACE-High Netzwerks integriert wurden.
1956
Im Jahr1956erteilte die NATO (SHAPE) derFirma STC,einem Unternehmen für Planung, Design, Engineering und Installation den Auftrag, das ACE-High Netzwerk in Europa zu installieren, um eine 6.739 km lange Transmissionsstrecke (Backbone-Route / Basisnetz) zwischen Nordnorwegen und dem Süden der Türkei einzurichten. Um die nötigen praktischen und technischen Erfahrungen in
1958
Europa zu sammeln, wurde in Norwegen1958ein vorläufiges Netzwerk von4 Stationen (Hot-Line)installiert, anschließend wurde diese Pilotprojekt-Verbindung in das ACE-High Netzwerk integriert. Dazu gehörten bis zu 49 Stationen in Europa. Das System wurde als „Tropospheric-Scatter-Communications-Network“ (O.H.) bezeichnet und verfügte zusätzlich zu den O.H.Stationen noch über bis zu 40 Richtfunkstationen (L.o.S.), die quasi in direkter Sichtverbindung zur nächsten Station installiert worden waren. An den unterschiedlichen Endpunkten befanden sich die verbunkerten Anlagen der Kommandostäbe. (CRC = Control and Reporting Center / CAOC =Combined Air Operations Centre) Die 10 französischen ACE-High Stationen, die nach Verlegung von SHAPE in Rocquencourt nachCasteau/Belgienund Aufgabe der AFCENT-Führungsbunker im Camp de Margival bei Laffaux/Frankreich, im Jahr1979auf 8 Stationen reduziert
1979
wurden, blieben weiterhin das zentrale Element in der AFCENT-Region. Durch Positionierung der ACE-High Stationen an topographisch ausgewählten Standorten, teilweise auch in großen Höhen, konnten mit den 20-30 m. großen Parabolantennen bzw. Flächenantennen (Billboard-Antennen) zwischen zwei ACE-High Stationen Entfernungen von 200-300 km überbrückt und im gesamten System eine sichere Übertragung von Telefon- und Telegrafenverbindungen, besonders der Radardaten für das terrestrische Frühwarnsystem (Early Warning System /NADGE System), gewährleistet werden. Die technischen Einrichtungen der ACE-High Stationen wurden von hoch spezialisiertem nationalem Personal bedient.
1961
Nach Lösung der technischen Probleme ging das ACE-High Netzwerk1961in Betrieb. Für die weiteren umfangreichen administrativen Aufgaben wurden für alle drei Regionen in Europa (AFNORTH,AFCENT, AFSOUTH und die 5. ATAF einschließlich der Türkei) die NATO-Transmissions-Abteilung aufgestellt. Diese Abteilung koordinierte regional die Aufgaben der einzelnen Nationen und überwachte die Erstellung von Gebäuden und Infrastrukturen, plante die Unterbringung der Mitarbeiter und deren Familien an den oftmals sehr schwer zugänglichen Orten der Region. Die Bereitstellung von Energie und Versorgung erforderte ebenfalls erhebliche Aufwendungen, ebenso die Sicherung und Bewachung der ACE-High-Stationen. Der gesamte Arbeitsumfang des Transmissionssystems wurde von SHAPE überwacht.
Die Techniker aus den jeweiligen Nationen wurden der NATO-Verantwortlichkeit unterstellt. Nach der Zuweisung wurden die Techniker an die ACE-High Schule „NCISS“ (NATO Communications and Information SystemsSchool) in Latina / Italienzu einer spezifischen technischen Ausbildung entsandt. Der Lehrgang war ein Höhepunkt in ihrer Karriere, der sie mit den anderen Betreibern der ACE-High Stationen kameradschaftlich verband.
1966
verließ Frankreich das integrierte Militärkommando der NATO, blieb aber weiterhin in der atlantischen Allianz integriert. Die Verantwortung für den französischen ACE-High Abschnitt wurde unter der Bezeichnung „FSB“ (Forward Scatter Branch) nachBrunssum/Niederlandeverlegt. Der französische AFCENT-Bereich wurde dem französischen Verteidigungsministerium in Paris zugeordnet, respektive die Befehlsverantwortlichkeit der „MMF“ (Militärmission Frankreich). Diese Änderung führte zu keiner Beeinflussung der NATO-Strategie. Von den acht Kontrollzentren in Europa wurde das Master-Kontrollzentrum (PCC Primary-Control Center) vonParis-Nordbei Beauvais nachLammersdorfin Deutschland verlegt. Diese heikle Operation unter der Bezeichnung "switch over“ wurde erfolgreich durchgeführt.Die damalige hohe Verfügbarkeit des Systems von 99,99 % war nicht nur aufgrund des Materials und der Technik gegeben, sondern vielmehr durch den sehr hohen persönlichen Einsatz des Betriebspersonals.
Für die regelmäßige Wartung und Instandhaltung waren die „MMT“-Teams (Mobiles Maintenance Team) zuständig. Sie entwickelten und verbesserten die Anlagen nach den Vorgaben von SHAPE kontinuierlich weiter auf den neuesten technischen Stand. Der technologische Wandel und die Umstrukturierung der europäischen Staaten gemäß der strategischen Lage sind die maßgeblichen Ursachen für die Abschaltung und Auflösung des ACE-High Systems.
1970
In den 70er Jahren, mit der Positionierung der ersten geostationären Umlaufbahn desSatelliten-Netzwerkesund den angemieteten erdgebundenen Telefonleitungen nationaler öffentlicher Betreiber, die das ACE-High Netzwerk somit erweiterten, wurden diese interregionalen Kommunikationssysteme als „NICS“ (NATO Integrated Communications System) bezeichnet. Die Zusammenführung der verschiedenen Übertragungssysteme zeichnete sich durch große Zuverlässigkeit und Flexibilität aus, vor allem, wenn bei Satellitenwechsel umfangreiche Schaltungsänderungen (System-Konfigurationen) durchgeführt werden mussten.
1995
Im Jahr1995wurden die NATO IV-Satelliten Typ B, britischen Designs in Betrieb genommen. Die vom ACE-High System verwendeten Frequenzbänder mussten für den Fernseh- und Mobiltelefonempfang, wie im Jahr1956vertraglich vereinbart, wieder freigegeben werden. Es wurde beschlossen, das ACE-High System im Jahr1995außer Betrieb zunehmen und die Frequenzbänder zurückzugeben. Die Verbindungen zwischen den bestehenden NATO-Staaten wurden dann durch das„CRONOS-Netzwerk“ (Crisis Response Operations in NATO Operating Systems)und über Internet-Router sichergestellt.
"Das Alliierte Kommando Europa Highband, besser bekannt als ACE High, war ein stationäres NATO-Funk- und Frühwarnsystem aus dem Jahr 1956. Nach umfangreichen Tests wurde ACE High 1964/1965 von der NATO für die Inbetriebnahme freigegeben.
Die NATO war 1949 mit einem Oberkommando (SHAPE) in der Nähe von Versailles, Frankreich, und dem regionalen Hauptquartier (RHQ) Allied Forces Northern Europe (AFNORTH) in Kolsås, Norwegen (zuständig für Dänemark, Norwegen und Großbritannien), Allied Forces Central Europe (AFCENT) in Laffaux, Frankreich (verantwortlich für Belgien, Frankreich, Deutschland und die Niederlande) und Allied Forces Southern Europe (AFSOUTH) in Neapel, Italien (zuständig für Italien, Griechenland und die Türkei). Das Oberkommando, die drei RHQs und alle unterstellten Einheiten nutzten verschiedene Kommunikationssysteme, um Kontakt aufzunehmen: Hochfrequenzfunknetze, UKW-Strahlsender und zivile oder militärische Festnetzleitungen. Alle Systeme hatten ihre Schwäche in der Zuverlässigkeit der Ausrüstung; in der maximalen übertragenen Datenmenge; in Verschlüsselungs-möglichkeiten und beim unbefugten Abfangen von Daten. In den frühen 1950er Jahren bestand daher ein dringender Bedarf an einem zuverlässigen, narrensicheren europäischen Fernkommunikationsnetz.
Die USA entwickelten troposphärische Diffusionstechniken, die in ein neues militärisches Kommunikationsnetz integriert wurden, schienen die Lösung zu sein, und 1956 wurde STC, ein Planungs-, Design-, Engineering- und Installationsunternehmen, beauftragt, ein neues integriertes Kommunikationsnetz in Europa zu entwickeln. Dieses Netzwerk bestand aus einer Reihe von "Backbone" -Stationen, die die Entfernung von 6.800 km (4.200 Meilen) vom Norden Norwegens bis zum Süden der Türkei abdeckten, und hieß zunächst "Over the Horizon Troposperic scatter Communications Net", wurde aber in "Allied Command Europe - Highband" (ACE-High) umbenannt. Das Netz sollte bis in die 1990er Jahre in Betrieb bleiben, da alle Frequenzen dann an die zivilen Behörden freigegeben werden mussten.
Nachdem alle Komponenten von Marconi Electronic Systems UK (ab 1968 Teil der General Electric Company) an ihren Standorten installiert worden waren, wurde das ACE-High-System 1961 offiziell an die NATO übergeben.
1966 verließ Frankreich jedoch unter Präsident Charles de Gaulle die NATO und Systeme mussten von Frankreich nach Brunssum in den Niederlanden verlegt werden, während das ehemalige Hauptkontrollzentrum in Beauvais nach Lammersdorf verlegt wurde.
Anfang der 1970er Jahre wurden die ersten geostationären Satelliten im Netzwerk "Satellite Communication" (SATCOM) aktiviert und damit das ACE-High-System erweitert.
1995 waren die ersten britischen NATO SATCOM IV/B-Satelliten aktiviert worden, und da die ACE-High-Frequenzen für die zivile TV- und Mobiltelefonnutzung freigegeben werden mussten, beschloss die NATO, ACE-High 1996 zu deaktivieren, und die 800-MHz-Bandfrequenzen wurden wieder für die zivile Nutzung verfügbar." [3]